von Birgit Mordhorst[1]

seit 1984


Gut Tanz, Tanz, Tanz!

35 Jahre Tanz- und Folkloregruppe Lippramsdorf

Die Tanz- und Folkloregruppe Lippramsdorf ist seit mehreren Jahrzehnten fester Bestandteil bei Festivitäten in und um Haltern wie zum Beispiel beim Heimat- oder Schützenfest, bei Stadtjubiläen, beim Gänsemarkt oder bei Kunst- und Handwerkermärkten. Und stets ist es so, dass  „ … sie ein Botschafter aktiver Lebensfreude für Lippramsdorf und ein Markenartikel unseres Dorfes (ist). Die Tänzerinnen und Tänzer verbreiten gute Stimmung bei jeder Veranstaltung und steigern die Attraktivität durch ihre farbenfrohen Kostüme und die natürliche ungezwungene Art ihres Auftritts.“[2] Und damit ist schon vieles gesagt, was uns wichtig ist, wofür wir stehen und was uns ausmacht.

Doch ein wenig mehr wollen wir schon ins Detail gehen. Deshalb wird hier nach ausführlichem Studium der Tanzgruppenchroniken und diversen Gesprächen mit Beteiligten zum einen der Versuch unternommen, 35 ereignisreiche Jahre in chronologischer Reihenfolge Revue passieren zu lassen, zum anderen aber auch den Fokus auf die Personen vor und hinter den Kulissen sowie auf besondere Auftritte zu legen.

Wer uns nicht kennt, dem möchte ich uns kurz so vorstellen: Wir tanzen überwiegend traditionelle Volkstänze bevorzugt in unserer Münsterländer Kluft und in Holzschuhen (Klompen). Damit sind wir schon an unzähligen Orten im In- und Ausland aufgetreten. Über allem steht der Spaß am Tanzen und ein großer Gemeinschaftssinn.

Alles auf Anfang (1984 – 1993)

Ausgerechnet die ersten zwei Jahre sind die „dunklen“ Jahre unserer Tanzgruppe, denn es gibt keine Aufzeichnungen in Form einer echten Chronik. Wer hätte schließlich auch ahnen können, dass die spontane Idee zweier tatkräftiger Gemeindemitglieder zu einer Erfolgsstory werden würde? Annemarie Sanders und Hedwig Graffweg wollten dem ersten Pfarrfamilienfest im September 1984 mit Hilfe eines besonderen Beitrags zum Erfolg verhelfen und überzeugten sechs Mädchen und vier Jungs aus Lippramsdorf, sich mit einer Tanzleiterin aus Nordkirchen (leider ist nur bekannt, dass sie mit Nachnamen Thiel hieß) für einen Tanzauftritt zusammenzutun. Allen Beteiligten war etwas mulmig zumute als es galt, das Gelernte auf einer richtigen Bühne zum Besten zu geben, aber es ist überliefert, dass der Auftritt vom Publikum mit großer Begeisterung aufgenommen wurde. Einen großen Anteil daran hatte sicherlich die musikalische Begleitung von Elisabeth Pricking und die passenden Kostüme. Zwar trugen die Mädchen noch ihre eigenen Dirndl, aber schon in Klompen zogen die fünf Paare mit Elisabeth an der Spitze, die den Ton mit ihrem Akkordeon angab, auf die Bühne.

Tanzgruppe 194
Elisabeth Pricking (rechts) und die Tänzerinnen und Tänzer der ersten Stunde (1984)

Die zusammengewürfelte Gruppe, von der einzig Birgit Schonebeck noch aktives Mitglied ist, harmonierte so gut, dass feste Übungsabende vereinbart wurden. Die Wahl fiel auf die Dienstage jeder Woche, was kurioser Weise noch heute Bestand hat. Die Übungsfläche allerdings fand sich an unterschiedlichen Standorten. So waren bereits das Pfarrheim, das Feuerwehrhaus oder der Hof von Elisabeth Pricking Schauplatz eifrigen Übens, bis es dann dafür ab 1995 ins frisch renovierte Heimathaus Lippramsdorf ging.

Die damaligen Tanzgruppenmitglieder merkten schnell, dass eine kompetente Anleitung der Tänze hilfreich ist. Und so freuten sie sich sehr, als 1987 mit Gabi Faber eine Fachfrau diese Aufgabe übernahm, die zudem noch die Livemusik mit ihrer Gitarre unterstützen konnte. Gabi hatte bereits jahrelange Erfahrung als Tanzleiterin bei der KFD und beim TUS Haltern, bevor sie zur Tanzgruppe Lippramsdorf stieß. Sie sollte dieses Amt, teilweise gepaart mit dem der Chronistin, sehr erfolgreich bis 2002 ausüben.

Die Tanzgruppe wuchs stetig: Zum einen nahm die Zahl der Tänzerinnen und Tänzer aufgrund verschiedener Akquiseoffensiven zu. So sprach Annemarie Sanders von der Bäckerei gleichen Namens in schönster Regelmäßigkeit jugendliche Kundinnen und Kunden an, ob sie nicht vielleicht Spaß am Tanzen hätten. Und dabei wollten die doch eigentlich nur Brötchen kaufen, was dazu führte, dass sich junge Lippramsdorfer/-innen in dieser Zeit standhaft geweigert haben sollen, mal eben bei Sanders einzukaufen. Zum anderen wurde auch der Kostümfundus dank der Hilfe vieler Nähmaschinen und fleißiger Hände in Lippramsdorf immer größer und bedurfte schließlich der aufmerksamen Beaufsichtigung einer Kostümverantwortlichen, was von Hedwig Graffweg übernommen wurde.

1988 passierte etwas, was das Selbstverständnis der Gruppe und ihren Zusammenhalt nachhaltig positiv beeinflussen sollte. Die Stadt Haltern trat mit der Bitte an uns heran, eine Veranstaltung der englischen Partnerstadt Rochford mit Tanzdarbietungen zu bereichern. Im Mai setzte sich daraufhin ein Bus mit 50 Personen Richtung britische Insel in Bewegung, an Bord 6 Tanzpaare aus Lippramsdorf plus Tanzleiterin, plus Livemusik[3], plus Betreuerinnen. Beim arrangierten „Haltern Abend“ lernten wir die englische Tanzgruppe „Cockleshell Clog Morris Dancers“ aus Rochford und Southend-on-Sea kennen, woraus eine intensive Freundschaft entstand. Drei weitere Male sind die Lippramsdorfer den Einladungen der englischen Tanzfreunde allein bis 1995 gefolgt. Die Engländer waren sogar noch häufiger in Lippramsdorf und haben unter anderem bei den Tanzfesten in 1994 und 1998 schwungvolle Beiträge geleistet.

Nachdem der Schritt in die große weite Welt so erfolgreich verlaufen war, wurden die Auftritte vor heimischem Publikum anspruchsvoller. 1989 wurde im Rahmen des Maibauerntags auf dem Halterner Marktplatz der Bändertanz[4] und anlässlich der 1100-Jahr Feier in Lippramsdorf der Bogentanz[5] das erste Mal aufgeführt. Bei dieser Veranstaltung hatte auch die von Luzia Lewe betreute Nachwuchsgruppe der Tänzerinnen und Tänzer ihren ersten Auftritt. Das ambitionierte Vorhaben, jüngere Tanzbegeisterte in einer eigenen Gruppe für die Erwachsenengruppe heranzubilden, wurde schon 1991 durch den Zusammenschluss beider Gruppen aufgegeben. Aber dem Tanzkreis blieb Luzia trotzdem erhalten: Zum einen verstärkte sie mit der Gitarre die Musikgruppe um Elisabeth und Horst, die zukünftig unter dem Namen „Stubenmusik Lippramsdorf“[6] auch eigene Auftritte hatte, und zum zweiten wurde sie 1995 die erste gewählte Vorsitzende unserer Tanzgruppe, die zu diesem Zeitpunkt beschloss, sich eine Gruppenleitung zu geben.

Mit zunehmendem Selbstbewusstsein und Repertoire wagte sich die Tanzgruppe auf die Leistungsschau des Volkstanzes, das sogenannte Bundesvolkstanztreffen, das alle paar Jahre in einer ausgewählten deutschen Stadt ausgerichtet wird. Daran beteiligen sich an die hundert Gruppen aus ganz Deutschland und Europa. Und hier mittendrin unsere Tanzgruppe in den Jahren 1990 in Münster und 1991 in Dresden! Damit jeder wusste, wer wir sind und woher wir kommen, fertigte Renate Böntert, die Mutter unseres Mitglieds Willi Böntert, in stundenlanger Arbeit eine handbestickte Fahne, die neben unserem Namen die lippische Rose und das Wappen von Lippramsdorf trägt. Die Fahne wird noch heute hoch in Ehren gehalten und fehlt bei (fast) keinem Aufritt. Die Ausstattung war also top, aber reichte auch das Können? Diese bange Frage stellten sich unsere Tänzerinnen und Tänzer in Dresden angesichts der professionellen Darbietungen vor allem der osteuropäischen Gruppen. Also wurde unmittelbar vor dem Auftritt noch schnell eine intensive Übungseinheit eingelegt. Fröhlich und guter Dinge zogen die Lippramsdorfer daraufhin in die Halle ein, was sich auf das Publikum zu übertragen schien. Zumindest wurden die mit Schwung vorgetragenen Klompentänze begleitet von der unbeschwert zum Tanz aufspielenden Musikgruppe sehr gut aufgenommen. Geht doch!

Trotz des bisher bereits Erreichten, war unsere Tanzgruppe immer noch lediglich ein loser Verbund von Tanzbegeisterten. Was fehlte, war ein offizieller Rahmen, der finanzielle, organisatorische und nicht zuletzt versicherungstechnische Fragen vereinfachen würde. An einem Novemberabend in 1990 wurde entschieden, dass die Tanzgruppe in den zwei Jahre zuvor gegründeten Heimatverein Lippramsdorf eingebunden wird, aber eine eigenständige Gruppe bleibt. Seitdem trägt sie den förmlichen Namen „Tanz- und Folkloregruppe im Heimatverein Lippramsdorf e.V.“. Diese Lösung hat sich für die Tanzgruppe als sehr wertvoll erwiesen, zumal die Beziehungen zum Heimatverein von großer gegenseitiger Unterstützung und Wertschätzung geprägt sind.

Jubiläen und andere Großereignisse (1994 – 2019)

Und ehe man sich’s versah, waren zehn Jahre nach Gründung ins Land gegangen, und das erste runde Jubiläum konnte gefeiert werden. Und wie es gefeiert wurde! Drei Tage im August 1994 standen ganz im Zeichen dieses Ereignisses, das mit einem Trachtenumzug durchs Dorf zusammen mit den heimischen und auswärtigen Gastgruppen startete. Das Festzelt auf dem Oelder Feld war restlos ausverkauft und den Gästen wurde ein kurzweiliger Abend mit Live-Band geboten, der von Horst Hoppe und Marlies Robert moderiert wurde. Als Fazit heißt es in der Chronik „… ein voller Erfolg und ein weiterer Höhepunkt im Lippramsdorfer Kulturleben!“ Dem ist fast nichts hinzuzufügen, außer, dass wir seitdem über ein Tanzgruppenlogo verfügen, das von Luzia Lewe anlässlich dieses Datums kreiert wurde. Es zeigt in stilisierter Form zwei Tanzpaare, die den Krüz König tanzen. Dieser Tanz lebt insbesondere von einer spektakulären Tanzfigur: Die Mädchen heben ab und „fliegen“ regelrecht.

Luzie Lewe und Horst Hoppe† (ca. 1993)
Luzie Lewe und Horst Hoppe† (ca. 1993)

Offensichtlich genügten vier Jahre, um sich von der Organisation dieses Großereignisses zu erholen, denn schon 1998 setzte die Tanzgruppe die Idee von einem eigenen Tanztreffen in Haltern in die Tat um. Getreu dem Motto „Think big“ wurde dafür erstmal die Seestadthalle angemietet. Kurze Zeit vor dem Veranstaltungstermin musste allerdings der Schwäbische Albverein Bad Ditzenbach seine Beteiligung absagen. Und dabei hatte man sich das so schön ausgemalt, das Programm mit landestypischen Tänzen aus dem süddeutschen Raum abzurunden. Die Jungs der Gruppe übten daraufhin kurzerhand selbst einen Schuhplattler ein, der in stilechten Kostümen zur Gaudi des Publikums am Abend zum Besten gegeben wurde. Und wäre das nicht schon der Kreativität genug, wurde auch noch der von Elisabeth, Luzia und Gabi erdachte Erntetanz[7] zur Uraufführung gebracht. Hier wird die mühselige Erntearbeit und das sich anschließende Fest zu bekannten Melodien tänzerisch dargestellt. Alles klappte also ganz prima. Alles? „Begeistert zeigten sich die rund 350 Zuschauer von den Darbietungen der Tänzerinnen und Tänzer: Keine der Gruppen konnte die Bühne verlassen, ohne eine Zugabe gegeben zu haben. Da störte auch die schlechte Akustik, die vor allem die Ansagen von Sabine Damberg und Sabine Schwanz, aber auch die Musik stark verzerrte, nicht.“ (Halterner Zeitung, 27.05.1998) Fast alles!

Immer wieder wurden alle Kräfte gebündelt, wenn ein weiteres Jubiläum anstand und gemeinschaftlich entschieden war, es gebührend zu begehen. So wurden das 20-jährige (2004) wie auch das 25-jährige Jubiläum (2009) jeweils im Heimathaus gefeiert, wobei wie gewohnt befreundete Tanz- und Musikgruppen miteinbezogen wurden. Der unrunde „Geburtstag“ fiel dabei sogar noch ein wenig größer aus, da wir hier Tanzgruppen aus Kiel, Leitmar, Gemen, Hünxe und eine Abordnung aus der Partnerstadt Roost-Warendin willkommen heißen durften.

Inzwischen hatte in unserer Tanzgruppe eine wesentliche Änderung stattgefunden, denn 2003 ging die Funktion der Übungsleiterin von Gabi Faber nahtlos auf Friedrun Jäger über. Gabi hatte schon frühzeitig angekündigt, dass sie nach 15 Jahren aufhören wollte. Da traf es sich gut, dass wir mit Friedrun jemanden im Kreis unserer Mitglieder hatten, die zum einen seit früher Jugend Volkstanz machte und zum anderen bereits über Übungsleitererfahrung verfügte. Frau Fuchs, wie sie spaßeshalber von uns im Nachgang zu der fehlerhaften Ankündigung einer Moderatorin genannt wurde, zog zwar auf dem Papier den Altersdurchschnitt unserer Gruppe nach oben, war sich aber für keinen Spaß zu schade. Legendär ihr Part bei einem unserer Karnevalsauftritte, wo sie in einem Kessel hockend warten musste, bis sie ausrufen konnte „Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“.

Die erste Tanzleiterin Gabi Faber (2003)
Die erste Tanzleiterin Gabi Faber (2003)
Friedrun Jäger (2003)
Friedrun Jäger (2003)

Dass volkstümliche Tänze und Digitalisierung kein Widerspruch sind, macht unsere Internetseite www.tanzgruppe-lippramsdorf.de deutlich, die 2003 online ging. Wofür das gut ist, zeigte sich spätestens 2011, als wir eine Email von einer uns unbekannten Dame erhielten, die uns zu dem Internationalen Folklorefestival „Europealia“ in Marbella einlud. Schlechter Scherz oder ernsthaftes Angebot? Einige Emails und Telefonate später beschlossen wir, die Reise tatsächlich anzutreten. Damit wir attraktive Mehrpaartänze zeigen konnten, hatten wir uns um Mitglieder der Volkstanzgruppe Leitmar personell verstärkt. Mit einem mulmigen Gefühl, was uns wohl erwarten würde, bestiegen 12 Tänzerinnen und Tänzer aus Lippramsdorf und 9 aus Leitmar im März den Flieger nach Spanien. Unsere Erwartungen wurden mehr als übertroffen!

Für uns war ein „Rundumpaket“ für vier Tage organisiert worden, das vom Bustransfer über Stadtführung in Marbella bis hin zum Abendprogramm reichte. Alle teilnehmenden Tanz- und Musikgruppen aus den einzelnen Ländern waren im selben Hotel untergebracht, wodurch bereits vom ersten Tag an Kontakte zu verschiedenen Gruppen aus anderen Ländern und Regionen wie z.B. Chilenen, Andalusiern, Ägyptischen Engländerinnen und auf Mallorca lebenden Argentiniern entstanden. Auftritte fanden bei herrlichem Wetter unter freiem Himmel statt und zur Krönung gab es eine große Abschlussveranstaltung im Kongresszentrum.

Viele Zuschauerinnen und Zuschauer bestaunten die für diese Region eher untypischen Holzschuhtänze. Traditionelle münsterländische Klompen waren für die Spanier und Gäste ein derart exotisches Schuhwerk, dass es für sie etwas Besonderes war, die Holzschuhe Probe zu tragen und dies in einem Foto zu verewigen. Alter Tanzgruppentradition gemäß wurden selbst Wartezeiten auf den Bus mit Gemeinschaftstänzen überbrückt und Passanten motiviert, das Tanzbein zu schwingen. 2013 und 2015 kam es dann noch jeweils zu einer Neuauflage von „Lippcity goes Marbella“, wenn auch jedes Mal in kleinerer Besetzung.

Was uns zum Jahr 2014 führt, das in der Chronik als „rosarot“ beschrieben wird, denn wir feierten unser 30-jähriges Bestehen im Rahmen des Halterner Heimatfestes. Auf der Marktplatzbühne hatten wir ein dreistündiges Tanzprogramm zusammengestellt, das von dem Moderatoren-Trio Willi Böntert, Uwe Mordhorst und Sabine Loick souverän präsentiert wurde. Unsere Gäste kamen von nah und fern und hatten ihre Highlights im Gepäck. Besonders über die Teilnahme der Stubenmusik, die unsere eigenen Auftritte an diesem Tag komplett musikalisch begleitete, hatten wir uns sehr gefreut, ist sie doch extra uns zuliebe noch einmal aufgetreten. Die Mühen der Vorbereitung zahlten sich aus, denn nicht nur das Publikum vor Ort, sondern auch die Presse zeigte sich begeistert „Ein Fest für die Heimat“ (Stadtspiegel, 10.09.14), „Ein Hoch auf die Folkloregruppen“ (Halterner Zeitung, 07.09.2014).

Feste feiern im großen Stil ist das eine, im Kleinen hilfreich sein das andere. Die Jahre 2016 und 2017 brachten viele Flüchtlinge nach Haltern, und seit dieser Zeit veranstalten wir in Kooperation mit den Verantwortlichen des Willkommens-Cafés in der ehemaligen Erich-Kästner-Schule zweimal pro Jahr an einem Sonntagnachmittag einen Tanznachmittag mit Gemeinschaftstänzen. Das Angebot richtet sich an in Haltern lebende Flüchtlinge, aber auch an jeden anderen Tanzinteressierten. Sprachbarrieren erledigen sich schnell von selbst, denn Musik und Tanz sind universell. Wenn wir eine Erfahrung aus unserer langen Tradition mitgenommen haben, dann sicherlich diese.

2017 verabschiedete sich unsere langjährige Tanzleiterin Friedrun von uns, ihrer „zweiten Familie“, um zu ihrer „echten“ Familie nach Iserlohn zu ziehen. Vorher gab sie den Staffelstab an Uwe Mordhorst weiter, der 2003 einem Aufruf in der Zeitung „Nachwuchstänzer gesucht“ gefolgt und seitdem Mitglied der Tanzgruppe ist. Und dass obwohl die Stellenbeschreibung in der Zeitung auf ihn eigentlich gar nicht zutraf, denn er fiel weder vom Alter noch von der Tanzerfahrung her unter die Rubrik „Nachwuchs“. Auf Anhieb war er der älteste Tänzer der Gruppe und im Volkstanz zuhause ist er aufgrund familiärer Prägung seit frühester Kindheit.

Abschließend lässt sich sagen, dass Schätzungen zufolge rund 60 Personen in und um Lippramsdorf zumindest einmal in ihrem Leben in der Tanzgruppe aktiv waren. 20 sind es heute immer noch, davon einige „halbaktiv“. Das durchschnittliche tatsächliche Alter unserer Mitglieder beträgt 45 Jahre, das gefühlte natürlich deutlich weniger, denn Tanzen hält erwiesenermaßen jung. Beeindruckend ist die Gruppenzugehörigkeit, die im Durchschnitt bei 25 Jahren liegt. Beeindruckend auch, dass Bettina Schulte-Lünzum, die seit Ende der 1990er Jahre solo für die Livemusik-Begleitung unserer Gruppe am Akkordeon sorgt, seit 20 Jahren als erste Vorsitzende und Kassiererin unserer Tanzgruppe zur Verfügung steht.

Gruppenfoto Tanzgruppe Lippramsdorf 2018
Tanz- und Folkloregruppe Liprramsdorf (2017) vor dem „Bienenhaus“ am Heimathaus Lippramsdorf Links Bettina Schulte-Lünzum und hintere Reihe Mitte Uwe MordhorstGruppenfoto Tanzgruppe Lippramsdorf

Foto 5: Tanz- und Folkloregruppe Liprramsdorf (2017)
Links Bettina Schulte-Lünzum und hintere Reihe Mitte Uwe Mordhorst

Ein herzliches Dankeschön an Paul Graffweg†, Sabine Thüner, Andrea Husmann, Gabi Faber und Friedrun Jäger für ausführliche Chroniken sowie an die aktiven Tanzkreismitglieder Willi Böntert, Gerd Beckhaus, Dirk und Stefan Buddenbrock, Stephan Csink, Ron Eisleben, Peter Fonrobert, Thomas Grote-Westrich, Claudia Hennewig, Rafael Kerkhoff, Simone Kleine Stegemann, Christoph Lange, Sabine Loick, Bettina Möllecken, Uwe Mordhorst, Steffi Real, Andrea Schäfer-Pinkert, Birgit Schonebeck und Bettina Schulte-Lünzum für eine großartige Gemeinschaft.

Gut Tanz, Tanz, Tanz!


[1] Die Autorin ist seit 2003 Mitglied der Tanzgruppe.

[2] Josef Schmergal in der Festschrift zum 10-jährigen Jubiläum der Tanz- und Folkloregruppe Lippramsdorf.

[3] Elisabeth Pricking wurde inzwischen von Horst Hoppe an der Zither unterstützt.

[4] Tänzerinnen und Tänzer verschlingen und lösen die von einem Mast herabhängenden Bänder.

[5] Der Tanz wird mit einem geschmückten Bogen in den Händen getanzt.

[6] Zur Stubenmusik gehörten auch Hartwig Goitzsch am Bass und Maria Rütter mit Flöte.

[7] Seit 2007 nahezu alljährlich in der St.Sixtus-Kirche im Rahmen der Plattdeutschen Messe aufgeführt.